Artikel · 18. August 2026 · 4 min
Zahnärzte von außerhalb der EU verdoppelt: das bedeutet es.
Nieuwsuur (das niederländische Nachrichtenmagazin) hat heute Zahlen veröffentlicht: der Zustrom von Zahnärzten von außerhalb der EU hat sich in fünf Jahren mehr als verdoppelt, während niederländische Studienbewerber im Losverfahren abgelehnt werden. Die Zahlen im Überblick — und was sie für Praxen und Kandidaten bedeuten.
Kurz gefasst: einer von vier praktizierenden Zahnärzten in den Niederlanden ist im Ausland ausgebildet, und der Zustrom von außerhalb der EU hat sich in fünf Jahren verdoppelt. Nicht weil es zu wenig Interesse am Studium gäbe — es gibt Tausende Anmeldungen — sondern weil die Niederlande seit Jahren zu wenig ausbilden.
Die Zahlen
Nieuwsuur berichtet auf Basis von Zahlen von ACTA, der Amsterdamer zahnmedizinischen Fakultät, die die Zulassung von Zahnärzten von außerhalb der EU begleitet: dieses Jahr legen 120 Menschen die Zulassungsprüfung ab, gegenüber 53 im Jahr 2021 — gut eine Verdopplung in fünf Jahren. Sie kommen unter anderem aus Syrien, Südafrika, der Türkei, Brasilien und dem Irak.
Die KNMT (der niederländische Zahnärzteverband) zählt inzwischen 2.287 praktizierende Zahnärzte mit ausländischem Diplom, und jährlich kommen im Schnitt 150 bis 200 dazu. Damit ist einer von vier Zahnärzten in den Niederlanden im Ausland ausgebildet. Wie sich das auswirkt, unterscheidet sich stark je nach Region: in Zeeland ist es schon mehr als die Hälfte.
Warum das passiert
Am Interesse liegt es nicht. Allein bei ACTA — einer der drei Ausbildungsstätten — gingen dieses Jahr gut zweitausend Anmeldungen ein, während Studienbewerber manchmal drei Jahre hintereinander im Losverfahren abgelehnt werden. KNMT-Vorsitzender Hans de Vries nennt das gegenüber Nieuwsuur schmerzhaft und vermutet, dass Kosten eine Rolle spielen; der Ausbildungsdirektor von ACTA verweist auf die begrenzte Finanzierung durch das Ministerie van OCW (das niederländische Bildungsministerium).
Das Capaciteitsorgaan (das niederländische Gremium für Ausbildungskapazität im Gesundheitswesen) empfiehlt schon länger, die Zahl der Ausbildungsplätze auf 386 pro Jahr zu erhöhen. Dieser Rat liegt noch beim Ministerium — er kostet strukturell 27,1 Millionen Euro extra, und Klarheit kommt nach dem Sommer. Wichtig zu wissen: selbst wenn diese Entscheidung morgen fällt, dauert das Studium sechs Jahre. Die ersten zusätzlichen Zahnärzte stehen also erst irgendwann in den dreißiger Jahren am Stuhl.
Was das für Ihre Praxis bedeutet
Drei nüchterne Schlüsse. Erstens: der Mangel löst sich in den kommenden Jahren nicht von selbst — wer eine offene Stelle aussitzt in der Hoffnung, dass der Markt sich erholt, wartet auf etwas, das vor 2032 nicht kommt. Zweitens: im Ausland ausgebildete Zahnärzte sind keine Ausnahme mehr, sondern ein Viertel des Berufsstands; wer sie von vornherein ausschließt, schließt ein Viertel des Arbeitsmarktes aus. Drittens: der Weg ist bekannte Arbeit. Für ein EU-Diplom gilt nur die Sprachanforderung (Niederländisch auf B2+-Niveau); für ein Diplom von außerhalb kommen eine Diplomverifizierung und eine berufsfachliche Prüfung dazu. Wie die Eintragung ins BIG-Register (das niederländische Berufsregister für Gesundheitsberufe) genau läuft, steht in unserem Schritt-für-Schritt-Leitfaden zur BIG-Registrierung.
Und für Kandidaten mit ausländischem Diplom
Die Zahlen sagen vor allem dies: es gibt Platz, und Sie sind nicht der Erste — 150 bis 200 Kollegen pro Jahr sind Ihnen vorausgegangen. Der Weg verlangt Geduld (erst die Sprache, dann die Prüfungen), aber er ist begehbar und wir kennen ihn. Lesen Sie den Leitfaden, oder legen Sie uns Ihre Situation einfach kurz vor.
Quellen
Fragen zu Ihrer eigenen Situation?
Dieser Artikel ist allgemein; Ihre Praxis oder Ihre Laufbahn ist es nicht. Stellen Sie Ihre Frage ruhig — Sie bekommen eine ehrliche Antwort, auch wenn die „tu es nicht“ lautet.